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Prainha do Canto Verde: wie soll es weiter gehen?

Die Entwicklung "unseres" Dorfes könnte für die ganze Küste Nordostbrasiliens modellhaft sein. Sie ist es bereits teilweise und der Weg für die Schritte weiterer Gemeinschaften in anderen Siedlungen ist aufgezeigt, steht offen und wird unterstützt. Leider gibt es nicht überall einen Mentor mit Überzeugungskraft und Visionen wie René Schärer…

Und selbst in Prainha sind Widerstände gegen Neuerungen an der Tagesordnung; müssen Vorurteile und Trägheit überwunden und die Beweise für die Vorteile von neuen Ordnungen erbracht werden. "Contras" gibt es in jeder Gesellschaft und auch Prainha ist nicht nur Insel der Glückseligen.

Die kurzfristig anstehenden Probleme sollen mit Massnahmen angegangen werden, die teilweise auch in neue Projekte münden werden.

Die Abfallentsorgung und die Sauberkeit im öffentlichen Raum sind gegenwärtig noch Anlass zur Sorge. Ein Projekt zur Reduktion, Recycling und geordneter Entsorgung der Abfälle wird künftig Besserung bringen.

Die für Prainha beantragte Meereszone für nachhaltige Bewirtschaftung durch Artesanalfischer ("Reserva extrativista") soll auf die ganze 52 km lange Küstenlinie der Präfektur Beberibe ausgedehnt werden. Sie ist für die ansässigen Fischer, die den Raubbau ablehnen, lebensnotwendig. Dieses Schutzgebiet müsste aktiv überwacht werden, um die Piratenfischerei zu unterbinden. Doch will und kann der Staat dazu auch die nötigen Mittel aufbringen?

Als Voraussetzung für die Homologierung dieses Reservats muss Prainha sein Dorfgebiet kartographieren und einen Zonen- und Nutzungsplan sowie ein Baureglement und eine Ordnung für künftige Siedlungsberechtigte erstellen. Viel Arbeit für eine kleine Dorfgemeinschaft!

Die Fischer Prainhas kämpften auch an vorderster Front für einen Managementplan für die Langustenfischerei, der 2006 erkämpft worden ist und jetzt durchgesetzt werden muss. Es ist zu hoffen, dass dabei auseinander strebende Meinungen der Kontrahenten von der Regierung Lula mit dem nötigen Druck zur Einhaltung des Kodex verpflichtet werden können….

Die Arbeitslosigkeit ist in ganz Brasilien ein Problem – im armen Nordosten aber besonders, denn es fehlt an Ausbildungsplätzen und Stellen. Es fehlen namhafte Industrien und Produktionsbetriebe.
In Prainha wächst eine Generation Jugendlicher heran, die eine vergleichsweise gute Ausbildung genossen haben. Sie alle stehen vor der Herausforderung, ausserhalb ihres näheren Umfelds einen Job zu finden. Hier soll ein neues Projekt Abhilfe schaffen, sei es mit einfachen Ausbildungslehrgängen oder mit Stipendien und Mikrokrediten.
Auch Prainha kann sich gewissen negativen Auswirkungen der modernen Gesellschaft nicht mehr entziehen. Der durch falsche Anreize erzeugte Konsumzwang bringt Vorschub für vermehrte Kriminalität; Alkohol und Drogen sind auch hier schon zum Thema geworden.
Die geplanten Berufslehrgänge können hier korrigierend einwirken.

Cearás attraktive Meeresküste ist zum Spekulationsziel geworden. Der Ausverkauf hat schon seit Jahren begonnen und Mammutprojekte wurden von der Regierung nicht nur geduldet sondern gefördert. Die Beispiele von schlechtem Geschmack und verantwortungslosem Tourismus sind Legion. Prainhas Kampf gegen die Immobilienspekulation ist zwar vor Bundesgericht gewonnen worden. Aber selbst in diesem Dorf gibt es Anwohner, die lieber mit einem Landverkauf schnellen Gewinn machen möchten. Umso wichtiger ist die Zusammenarbeit unter den Fischern an der ganzen Küste. Eine Zonenplanung im Ort selbst ist unerlässlich!

Der demographische Druck vom unfruchtbaren, ariden Landesinnern Cearás (dem "Sertão") an die Küste bringt nicht nur die Hauptstadt Fortaleza und grössere Orte an der Küste in Schwierigkeiten, er wirkt sich auch bis nach Prainha aus. So möchten ausgewanderte Bewohner und Verwandte von Anwohnern gerne ein Häuschen vor Ort; andere kommen ungefragt. Deshalb kann hier nur eine rechtlich verbindliche Zonenplanung und Bauordnung entstehende Missstände stoppen.

Prainha als Musterknabe im kommunal bestimmten, nachhaltigen Tourismus erlebt die Entwicklung des Massentourismus an gewissen Teilen der Küste mit grosser Besorgnis.
Der eigene Weg Prainhas mit privatem Wohnen für Touristen, Angebot von Bioprodukten, Kunstgewerbe und Verkauf von lokal hergestellten Souvenirs, Besichtigungsprogrammen und eine bereitgestellte Kommunikationsstruktur mit Internet für den Gast ist zwar anstrengend, macht aber trotzdem eine gesunde und langfristige Entwicklung möglich und erhält die Dorfgemeinschaft als Ganzes.

Die brasilianische Wirklichkeit ist von der Unsrigen in sehr vielem sehr verschieden.
Nicht nur die materiellen Voraussetzungen, das Klima und die Ausbildung der Menschen unterscheiden sich, sondern auch Mentalität und Art und Weise des Umgangs von Mensch zu Mensch, ungeachtet von scheinbar gemeinsamen Äusserlichkeiten.
Was für uns eine Selbstverständlichkeit ist: Ein organisiertes Gemeinwesen mit gewählten Organen, Gesetzen und Reglementen, festen Abläufen und klar definierten Verantwortlichkeiten, ist in vielen der einfachen Siedlungen Brasiliens, auch in denen der Fischerbevölkerung an der Küste Cearás, kaum oder nur ansatzweise vorhanden.

Umso bemerkenswerter ist der Organisationsgrad der Einwohnerschaft von Prainha do Canto Verde und der Einbezug und die Verpflichtung der Anwohner in die Projekte, an dem die Aufklärungsarbeit und Motivation von René Schärer in hohem Mass teilhaben.

Selbst wenn wir gelegentlich den von diesen Menschen eingeschlagenen Weg als zu wenig direkt, zu langsam, zu umständlich empfinden: Sie verdienen unsere Unterstützung. Diese Menschen wollen säen und wir sollten ihnen dabei behilflich sein, selbst wenn hin und wieder ein Samenkorn neben die Scholle fällt.